Hallenbad Münster-Kinderhaus

Hallenbad Münster-Kinderhaus

Bauherr

Leistungen

Sanierung und Attraktivierung

Bauzeit

23 Monate

Fertigstellung

2017

Wasserfläche

ca. 430 m² (innen)

Bebaute / Sanierte Fläche

ca. 2.670 m²

Planung und Bauleitung durch janßen bär partnerschaft mbB

Am 28. Juli 2014 tobte das heftigste Unwetter der Stadtgeschichte über Münster in Westfalen. Mit bis zu 300 Liter Starkregen pro Quadratmeter bahnte sich das Wasser seinen Weg über die Straßen in die Gebäude. Im Stadtteil Kinderhaus trat der Igelbach über seine Ufer und hinterließ im Hallenbad des Bürgerhauses eine Spur der Zerstörung. Insgesamt waren ca. 64% der Gesamtgebäudefläche durch die Überschwemmung stark beschädigt.

Ausgangssituation und Aufgabenstellung

Das Hallenbad wurde in den 70er Jahren als Teil des Bürgerhauses erbaut und im Jahr 2008 von Grund auf erneuert. Bald sollte das sanierungsbedürftige Dach modernisiert werden, doch dann kam das überraschende Unwetter. Nach Ablaufen des Wassers zeigten sich verbogene Stahltüren und eingestürzte Zwischenwände, die gesamte Gebäude- und Schwimmbadtechnik war nicht mehr betriebsfähig. Wände, Böden und Mobiliar waren mit einer Schicht aus Lehm überzogen und die Becken waren gefüllt mit braunem Wasser. Gegenstand der vom Amt für Immobilienmanagement der Stadt Münster erstellten Auslobung war die umfassende Sanierung des Bades unter Beibehaltung der Geometrie und der Materialien des verbleibenden Bestands. Mit ihrer Gestaltungsidee der Schichtungen und einem regional angelehnten Farb- und Materialkonzept, das Anleihen bei den regionalen, geologischen Besonderheiten nimmt, konnte das Architekturbüro janßen bär partner mbB den Realisierungswettbewerb für sich entscheiden und begann im Juli 2015 mit den tiefergehenden Planungen.

Leitmotiv und Strategie

Räumlich liegt das Gebäude im Zentrum des Stadtteils, direkt am Bachlauf des Kinderbachs, der sich als schmaler Grünzug durch den Nordwesten von Münster windet und über die Münstersche Aa in die Ems abfließt. In der Außenansicht ist es vor allem durch ein Ziegel-Sichtmauerwerk, farbbehandelte Betonbauteile sowie weiße Fassadenprofile gekennzeichnet. Im Inneren wird das Hallenbad von dem weittragenden MERO-Raumdachtragwerk bestimmt, das der Halle eine weite und offene Raumwirkung verleiht – einzig gegliedert durch versetzte Eben, Mauerscheiben und Stufen. Die Leitidee greift die vorhandene Struktur auf und orientiert sich mit dem Grundmotiv der gestuften Terrassen als sich überlagernde Schichtungen an den vielfältigen geologischen Schichten des Münsterlandes sowie den örtlichen Wasserzügen wie Kinderbach, Aa und Ems. Die zeitgemäßen Konstruktionen, die energetisch verbesserten Gebäudehüllflächen und die erneuerte Technik sichern eine nachhaltige Senkung der Betriebskosten. Darüber hinaus konnte die Zugänglichkeit des Bades in puncto Barrierefreiheit trotz der vorhandenen baulichen Einschränkungen des Bestandes mittels der kontrastreichen Gestaltung von Beckenrändern und Treppenstufen sowie zusätzlichen Griffstangen an den Wänden erweitert und optimiert werden. Großflächige weiße Akustikpaneele in der Dachkonstruktion sowie ergänzende Troldtekt-Wandelemente in unterschiedlichen Grüntönen verbessern die Raumakustik maßgeblich und fügen sich optimal in das Entwurfskonzept ein. Als Teil des Ganzen wird das neue Bad dem Bürgerhaus zu einer größeren Strahlkraft verhelfen und einen identitätsstiftenden Charakter erzeugen. So können Besucherzahlen langfristig gehalten und sogar erhöht werden.

Farbe und Materialität

Durch die natürlichen Farben der Münsterländischen Landschaft – des Bodens, des Himmels und der Grünflächen – entsteht ein spannender Kontrast zum raumbestimmenden Fachwerk der Decke und den vorwiegend in Weiß gehaltenen Beckenfliesen. Die unterschiedlichen Nutzungsbereiche wurden für eine differenzierte Wahrnehmung der Höhenebenen nach Farbtonwert gestuft gegliedert und die Böden mit unterschiedlich tief reliefiertem Feinsteinzeug in neutralen Tönen wie anthrazit, warmgrau, seidengrau und lichtgrau ausgelegt. Farbig gestufte Wände und Sockelbereiche sowie geflieste Wandflächen mit liegenden Formaten und einem „gewachsenen“ Verlauf von dunkel nach hell verstärken zusätzlich die Wirkung der gewünschten Schicht-Optik.

Architektur und Gestaltung

In der Außenansicht wurden aufgrund der Zugehörigkeit des Bades zum Gebäudekomplex des Bürgerhauses keine großen gestalterischen Eingriffe vorgenommen – Dach und Fassade wurden in erster Linie nur energetisch auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Einzige Ausnahme sind die teilweise eingestreuten grünen Verglasungen in der Fassade, welche im Sommer durch das hereinfallende Sonnenlicht vielfältige, farbige Akzente im Inneren setzen. Auch der Eingangsbereich und die Umkleiden zeigen sich dem Besucher noch weitgehend unverändert. Doch sobald er diese hinter sich gelassen hat, präsentiert sich ihm ein optisch und technisch komplett erneuertes Bad. Vorbei an der modernisierten Sanitärspange betritt er eine helle, freundliche Schwimmhalle, die mit den neuen Ruhezonen am Schwimmerbecken nun auch zum Verweilen einlädt. Im Kleinkindbereich locken ein Wasserfall und eine Schlangenfontäne die kleineren Besucher in das kühle Nass, während die Eltern sie von der neuen Sitzbank aus immer im Auge behalten können. Der erhöhte Rand des Beckens statt des üblichen ebenerdigen Übergangs sorgt dafür, dass die Kleinsten nicht einfach ins Wasser laufen können und im Sommer ermöglicht eine neue Tür den Zugang zum überarbeiteten Außenbereich mit Sonnendecks. Von den Schwimmern unentdeckt, aber dennoch nicht unbedeutend, ist der neu erschlossene Personalbereich hinter dem Schwimmmeisterbüro. Während die Mitarbeiter vorher nur ein kleines Zimmer im Kellergeschoss zur Verfügung hatten, können sie nun einen komplett ausgestatteten Bereich mit Umkleiden, WCs und Duschen sowie einem Büro und einem gemütlichen Aufenthaltsraum mit eigener Erschließung zur Dachterrasse ihr Eigen nennen.

Betrieb

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sanierung des Hallenbades von Münster Kinderhaus erfolgreich durchgeführt werden konnte. Die für den Stadtteil so wichtige Freizeitstätte erstrahlt in neuem Glanz und wird in den nächsten Jahren vielen Besuchern und Familien eine schöne Zeit bescheren. Dementsprechend zufrieden ist Badleiterin Daniela Voege: „Die Resonanz ist extrem gut. Wir haben jetzt doppelt bis dreifach so viele Badegäste wie früher.“ Die bisherigen Stammkunden sind voll des Lobes und erfreuen sich an den vielfältigen Verbesserungen. Aber auch neue Besucher zeigen sich sehr interessiert und kommen nach ihrem ersten Besuch gerne wieder.